VON DER KATASTROPHE ZUR KUNST
Von der Katastrophe zur Kunst
Ich war im Frühjahr 1991 das erste Mal in Armenien. Der Grund war der Bau eines neuen Kinderspitals in Leninakan (jetzt Gyumri). Das alte wurde vom Erdbeben im Dezember 1988 völlig zerstört. Die Fahrten durch die Ruinen der halb zerstörten zweitgrößten Stadt Armeniens werden mir ewig in Erinnerung bleiben.
Bei meinen Aktivitäten kam ich immer mehr mit der lokalen Kunstszene in Kontakt, die trotz des tristen Umfeldes lebendig blieb und nach neuen Wegen suchte. Ein Ort der Begegnung war das Hotel, in dem ich bei meinen Besuchen Unterschlupf fand und viele anregende Gespräche führen konnte. Heute heißt dieses Hotel zu Recht Berlin Art Hotel. In allen Räumen sind Werke von Künstlern aus der Region zu bewundern.
Als wir 2008 zum zwanzigsten Jahrestag des Erdbebens in Wien ein Benefizkonzert mit „Armenian Spirit“ organisierten, lernte ich Karen Asatrian kennen. Er öffnete mir einen neuen Zugang zur armenischen Musikwelt. Bis dahin erlebte ich sie als schwermütige, mit Duduk-Klängen untermalte, Folklore. Asatrian hingegen versteht es, das Liedgut des armenischen Volkes mit den Mitteln zeitgenössischer Stilmittel aus Klassik und Jazz auf eine attraktive Weise neu erfahrbar zu machen.
Auf dem Feld der bildenden Kunst ist Hrachya Vardanyan zu nennen. Während Asatrian, der in Eriwan studierte, schon viele Jahre in Österreich (Klagenfurt) lebt, ist dieser aus Gyumri, wo er seine Ausbildung an der dortigen Kunsthochschule 2010 abschloss. Seine künstlerische Entwicklung verfolge ich seit seinem achtzehnten Lebensjahr. Drei Ausstellungen und ein Artist-in-Residence-Aufenthalt in Österreich waren dabei Meilensteine. Als Karen Asatrian im Stadtmuseum Wr. Neustadt mit seiner Gruppe Armenian Spirit auftrat, hingen dort Vardanyans Exponate. Das war die Geburtsstunde einer Freundschaft, die in dem Leitspruch gipfelt: Mit den Augen hören und den Ohren sehen!
Hans Döller, Obmann des Vereins
